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“Corona-Krise wäre mit mehr Digitalisierung milder verlaufen”

Noch spekulieren die Experten, wie sehr die Wirtschaft unter der Corona-Krise leidet. Sie werden erst viel später berechnen können, wie tief der Einschnitt war. Wir werden es viel später wissen, als es nun einen Impfstoff gegen Corona geben wird. Es wird die Zeit kommen, in der die Krankheit medizinisch besiegt ist, während Staaten und Unternehmen noch mit den langfristigen finanziellen Belastungen zu kämpfen haben oder an deren Spätfolgen zu Grunde gehen.


Dabei leiden Staat und Wirtschaft gar nicht an Corona. Ein Virus infiziert Menschen, nicht Firmen. Auch wurde nirgendwo auf der Welt die Belegschaft einer Firma durch Corona derart dezimiert, dass diese den Betrieb herunterfahren oder gar ganz einstellen musste. Es war einzig und allein die Politik, die mit dem Blick auf die kapazitäre Auslastung der Krankenhäuser, Kontaktsperren ausgesprochen hat. Menschen sterben am Virus, Firmen jedoch sterben am Shutdown des öffentlichen Lebens, an Re-Nationalisierung und an unterbrochenen Wirtschaftsketten.


Gerne wird das Argument gebracht, dass diese Weltkrise nicht vorhersehbar war. Doch, das war sie. Eine Pandemie ist geradezu ein Klassiker im Risikomanagement. Schon vor zwanzig Jahren wurde die Pandemie mit Präzision prognostiziert. Mit heutiger Technik bei der digitalen Wahrnehmung pandemischer Entwicklungen wäre die Verbreitung des Virus viel exakter nachzuvollziehen. Die jetzigen Maßnahmen der Politik waren ebenso zwangsläufig und vorhersehbar. Corona war wahrscheinlicher und die negativen Auswirkungen auf Menschen und Wirtschaft konkreter, als es zum Beispiel der Klimawandel ist, der uns alle in Vor-Corona-Zeiten stark beschäftigt hat. Der neue “Green-Deal” der EU beschäftigte Unternehmen noch vor wenigen Monaten weit mehr, als die klassischen und unmittelbaren Risiken der Zivilisation. Handelskriege, Arbeitnehmerkonflikte, Cyberattacken, Umweltkatastrophen in Beschaffungsmärkten und damit verbundene Lieferausfälle - die Liste möglicher Risiken für Unternehmen ist lang. Zu lang, um sich auf alle Eventualitäten vorzubereiten? 


Resilienz durch Schutz erfolgskritischer Prozesse und Strukturen


Wenn der Schutz vor einer Vielzahl möglicher Gefahren unverhältnismäßig ist, kann man dennoch die eigene Resilienz, also die eigene Robustheit in Krisen, erhöhen, wenn man wichtige Strukturen und Prozesse absichert. Der Klassiker der Risikovorsorge ist eine solide finanzielle Basis. Wer Liquidität bereit hält, übersteht auch eine Durststrecke. Wie sagte schon Warren Buffet: Bei Ebbe zeigt sich, wer ohne Badehose ins Wasser gestiegen ist. Das klingt jedoch für viele Unternehmer wie Hohn. Sie müssen investieren, um mit dem Wettbewerb mithalten zu können. Noch nie wurde ein Unternehmen weiter entwickelt, in dem man verfügbares Geld im Sparstrumpf versteckt hat. 


Doch wo hätte man investieren können, um gleichzeitig Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz zu stärken? In die Digitalisierung. Das “digitize or die”, das Berater und IT-Gurus seit Jahren predigen, bewahrheitet sich in diesen Tagen. 


Sicher gibt es Branchen, die sich kaum digitalisieren lassen, zum Beispiel Friseure oder Tourismusbetriebe. Bei vielen anderen besteht jedoch erhebliches Optimierungs- beziehungsweise Digitalisierungspotenzial. Dabei müssen es noch nicht einmal Visionen von autonomen Fabriken, 3D-Druckern oder virtuellen Realitäten sein. Eine stärkere “digitale Mentalität” innerhalb der Belegschaft ist eine kostengünstige und schnell umzusetzende Maßnahme, die sich in Unternehmen etablieren kann. 


Es gibt zahlreiche digitale Lösungen, die in diesen Tagen neu in Unternehmen genutzt werden. Skype oder Zoom zum Beispiel. Skype gibt es aber schon seit 18 Jahren. Nun werden diese oder ähnliche Tools erstmals! in vielen Unternehmen genutzt. Der neue Umgang mit Videokonferenzsystemen, Collaboration-Tools, wie Slack, etc. und das für viele noch ungewohnte so genannte “Homeoffice” (rechtlich richtig: Mobile Office) zeigen, wie wenig digital Unternehmen ticken und wie wenig Mitarbeiter*innen selbst sich auf mobiles Arbeiten eingestellt haben.  


Es geht dabei noch nicht einmal um “Rocket-Science”, um die Anwendung neuester Technologien. Durchschnittlich vergehen in Deutschland zehn Jahre, bis eine neue innovative Technologie im Unternehmensalltag angewendet wird. Dieses “time-gap” hat viel damit zu tun, dass neue Technologien gerne mit einem erhöhten Risiko gleichgesetzt werden. Nicht umsonst sind zum Beispiel Cyber-Risiken sehr präsent in den Köpfen der Menschen. Es ist jedoch nicht die Technologie an sich, die das Hauptrisiko darstellt. Es sind die Mitarbeiter, die mit ihnen umgehen. Laut einer Kaspersky-Erhebung wissen 45 Prozent nicht einmal, wie sie sich bei Ransomware-Angriffen verhalten müssen. Die meisten Cyber-Attacken kommen in Form eines übersandten pdf per Mail daher und werden von unbedarften Mitarbeiter*innen arglos geöffnet.


Und noch eine Zahl, um zu verdeutlichen, wie verschoben unsere Risikoeinschätzung meist ist und wie wenig sie mit der tatsächlichen Gefährdung übereinstimmen: Tippen Sie einmal, welche kriminelle Personengruppe die meisten Schäden in der deutschen Wirtschaft verursacht! Die Mafia? Die Konkurrenz? Die Chinesen? Nein. Laut deutscher Versicherungswirtschaft gehen die Schäden durch Wirtschaftskriminalität zu drei Vierteln auf das Konto der so genannten “Innentäter”, werden also durch eigene Mitarbeiter*innen verursacht. Der/die langjährige Manager/in der mittleren Führungsebene - das oft gelobte “Rückgrat des Unternehmens” ist gleichzeitig die Personengruppe, die am ehesten und am geschicktesten in die Firmenkasse greift.


Realistisch das Risiko einschätzen


Eine realistische Risikoanalyse ist essentiell. Die massiven Auswirkungen der Corona-Krise gehen zu einem erheblichen Teil auf das Konto derjenigen Unternehmen, die ihr Risiko falsch (oder gar nicht) einschätzen und die zeitgemäße Methoden der modernen Arbeitswelt scheuen. Das ist auch nach Corona doppelt gefährlich. Erstens kommt die nächste Krise ganz bestimmt. Ich durfte Ende letzten Jahre mit Behörden und Unternehmen einen Workshop zum Thema der “Bio-Cyber-Security” durchführen. Aktuell tauchen neue Risiken auf dem Radar auf, mit denen epidemiologische Mechanismen, wie bei Corona, zielgerichtet und beabsichtigt angewendet werden können. Das ist Science und nicht Science-Fiction. Zweitens gibt es Staaten und Regionen, die innovationsoffener sind, als wir Deutschen. Klar kann man neue Technologien auch zu früh einsetzen, wenn diese noch nicht ausgereift sind. Man kann aber eben auch zu spät kommen. Diese kluge Abwägung setzt Manager und Mitarbeiter voraus, die Chancen und Risiken realistisch einschätzen können. Es braucht dafür Unternehmen, deren Mitarbeiter*innen eine innovationsoffene Mentalität besitzen und die Technologien für sich entdecken, bevor sie durch den Wettbewerb oder die Politik dazu gezwungen werden. 


Diese Fähigkeit, die Rolle des eigenen Unternehmens in einem sich verändernden Wettbewerbs- und Risikoumfeld realistisch einzuschätzen und für sich gewinnbringend zu nutzen, wird heute gerne mit dem Modewort der Transformation umschrieben. Ich bin davon überzeugt, dass Unternehmen dabei immer gut daran tun, sich für diese Transformation eine externe Perspektive, zum Beispiel durch einen Interim Manager, einzukaufen. Diese Interim Manager vereinen drei Vorteile in einer Person: sie bringen den Blick von außen ins Unternehmen und arbeiten (2.) über einen begrenzten Zeitraum integriert mit den Mitarbeiter*innen zusammen, um Risiken realistisch einzuschätzen und neue Prozesse zu etablieren. Sie verfügen (3.) über Spezialkenntnisse, die ein Unternehmen für den täglichen Betrieb nicht immer vorhalten muss sondern sich temporär damit verstärken kann. 


Corona, war wie gesagt, ein Klassiker im RiskManagement, wenn auch die weltweiten Auswirkungen außergewöhnlich groß sind. Umso mehr gilt es, Risiken in der Zukunft mit offenen Augen wahrzunehmen und Abwehrstrategien parat zu haben. Oder schlicht eine Unternehmenskultur zu leben, bei der essentielle Strukturen und Prozesse resilient aufgebaut sind. Jetzt haben wir einen Impfstoff und diese Krise wird schon in wenigen Monaten in Vergessenheit geraten. Die überlebenden Unternehmen sind dennoch angeschlagen und haben langfristige Verbindlichkeiten aufgebaut. Die nächste Krise kommt bestimmt. Sie wird geschwächten Staaten und Unternehmen wahrscheinlich endgültig das Genick brechen. Vorsorge wird wichtiger.